Nachbereitung des 2. Antifacamps in Hessen

Vom 14.-18. Juli 2010 fand zum zweiten Mal in Folge ein vom Bündnis antifaschistischer Gruppen in Hessen (BASH) organisiertes Antifacamp in Hessen statt.
Aus unserer Sicht ein voller Erfolg.

Rückblick
Nachdem es im letzten Jahr in der Folge des 1. Antifacamps zu einem kleineren Medienrummel gekommen war, ausgelöst durch einen „extremismustheoretisch“-inspirierten Artikel in der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“1, fühlten wir uns bestätigt, wie bitter nötig es sei, mit antifaschistischen Inhalten in die Provinz zu gehen.

Fand das 1. Antifacamp 2009 noch in Mittelhessen statt, so entschieden wir uns dieses Jahr für Südhessen. Der Grund dafür war, dass der BdP (Bund der Pfadfinder), der uns letztes Jahr den Platz vermietete, durch den Presserummel offensichtlich um seinen Ruf besorgt war und uns trotz problemloser Zusammenarbeit während des Camps mitteilen ließ, dass es in Zukunft keine weitere Zusammenarbeit mit uns als BASH geben würde.
Wir mussten also zwangsweise den Ort wechseln. Allerdings ist unserer Meinung nach der Veranstaltungsort eines Antifacamps zweitrangig, zumal auch in Südhessen die selben unerträglichen Bedingungen herrschen, wie überall in der Provinz. Gemeint sind damit vor allem organisierte Nazis und rechter Konsens in der Bevölkerung.

Vorbereitung
Mit dem Erfahrungsschatz des letzten Jahres starteten wir im Winter 2009 mit den Vorbereitungen für das 2. Antifacamp.

Erstaunlicherweise kam es während der gesamten Vorbereitung des 2. Antifacamps zu keinem ernsthaften Versuch von Seiten der staatlichen Organe Kontakt zu uns aufzunehmen. Das begrüßen wir natürlich, denn an einer Zusammenarbeit sind wir selbstverständlich nicht interessiert.

Erst wenige Wochen vor Beginn des Camps, stellte sich heraus, dass die südhessische Polizei auf uns aufmerksam geworden war und nun per Rundschreiben an alle Pfadfinder_Innenorganisationen herauszufinden versuchte, wo denn das 2. Antifacamp stattfinden sollte.

Campverlauf
Vom 1. Tag (Donnerstag) an steigerte sich die Teilnehmer_Innenzahl kontinuierlich. Ab Freitag befanden sich ca. 200 Personen auf dem Camp. Einige waren extra aus den umliegenden Bundesländern angereist. Am selben Tag erschien erstmalig auch die Polizei und teilte uns somit kurz mit, dass sie nun herausgefunden hatte, wo das 2. Antifacamp in Hessen stattfand.

Das Camp verlief in einer sehr vertrauten und freundschaftlichen Atmosphäre. Diese Bedingungen halfen dabei Wissens- und Erfahrungsunterschiede zwischen jüngeren und älteren Teilnehmer_Innen zu überbrücken.

Das inhaltliche Programm des Camps war vielseitig. Unter anderen standen Veranstaltungen zu Antifa, Kapitalismus, Ideologie und Bildungssystem zur Auswahl.
Den Abschluss des Camps bildete, wie im letzten Jahr, eine Podiumsdiskussion zwischen Vertreter-Innen des UmsGanze-Bündnisses und der Interventionistischen Linken.
Die Entscheidung für eine solche Podiumsveranstaltung ergibt sich daraus, dass eine der im BASH organisierten Antifagruppen auch im UmsGanze-Bündnis aktiv ist.

Einschätzung und Ausblick
Die Zusammenarbeit innerhalb des Organisations- und Vorbereitungskreis, bestehend aus dem Bündnis antifaschistischer Gruppen in Hessen und der Jugendantifa Frankfurt, bewerten wir als erfolgreich. Nicht zuletzt die hohe Anzahl jüngerer Teilnehmer_Innen ist ein Beleg dafür.

Nachträglich wurde das Camp-Programm allgemein als gut bis sehr gut eingeschätzt. Kritik kam vor allem an den Veranstaltungen auf, die auf einem vergleichsweise hohen inhaltlichen Niveau abliefen, so dass es für Teilnehmer_Innen mit geringeren Vorwissen schwierig war, sich einzubringen. Außerdem wurde sich gewünscht, dass es mehr praxisbezogenere workshops geben müsste.

Als sehr positiv zu bewerten ist, dass es während des gesamten Antifacamps gelungen ist, Raum für die Eigeninitiative der Teilnehmer_Innen zu lassen. Als konkreter Erfolg sind diesbezüglich die selbstständig und außerplanmäßig organisierten Vernetzungstreffen von jungen Antifas aus unterschiedlichen Regionen zu bewerten.

Fazit
Mit Sicherheit wird es ein 3. Antifacamp in Hessen geben.

  1. Im besagten Artikel wurde das vor allem an theoretischer Arbeit ausgerichtete Antifacamp als „Nahkampf-Trainingslager gewaltbereiter Linksextremisten“ bezeichnet. [zurück]